Inhalte gegen Werbung: Warum Internetseiten keine Restaurants sind
Die Onlinewelt ist mal wieder im Aufruhr: Etliche große Onlinemedien bitten darum, Adblocker beim Besuch ihrer Seiten abzuschalten. Die Argumentation ist simpel: Ohne Werbung keine Einnahmen, ohne Einnahmen keine “wirtschaftliche Basis, um hochwertige Inhalte produzieren zu können.” (PM)
Dagegen regt sich nun Protest. Spiegel Online und Co. seien viel zu überladen mit Werbung, die blinkenden Flächen würden stören. Ohne Adblocker seien die Auftritte gar nicht zu ertragen. Man sei quasi gezwungen, störende Banner auszublenden. Thomas Knüwer vergleicht die Seiten mit einem schlechten Restaurant in einem Gewerbegebiet, die Macher von Adblock Plus fordern Verlage auf, sich “dem Dialog zu stellen”.
Nur: Um was für einen Dialog geht es hier eigentlich? Um Knüwers Vergleich zu bemühen: Wenn mir ein Restaurant nicht gefällt, gehe ich da nicht mehr hin. Das Restaurant weiterhin zu besuchen, aber “aufgrund des schlechten Services und der miesen Qualität” einfach nicht zu bezahlen – das wäre schlicht und ergreifend illegal.
Im Internet ist das Restaurant die Nachrichtenseite, die Bezahlung erfolgt durch das Anklicken/Ansehen/Ertragen von Werbung. Niemand wird gezwungen, störende Seiten zu besuchen. Restaurants in Gewerbegebieten kann man nicht immer vermeiden, wenn in der Nähe sonst nichts ist. Im Internet sind andere Seiten nur einen Mausklick entfernt.
Die Macher von Adblock argumentieren, unaufdringliche Werbung bekäme “durchschnittlich 15 bis 20 Prozent mehr Klicks als die übliche, effekthaschende Online-Werbung”. Das mag vielleicht stimmen, ist aber kein Argument, andere Werbung auszublenden.
Das Angebot der Verlage ist einfach: Journalistische Inhalte gibt es im Tausch gegen eingeblendete Werbung. Leistung und Gegenleistung. Wem das Verhältnis nicht passt, der kann sich beschweren oder die Angebote eben nicht nutzen. Die viel beschworene Pressevielfalt ermöglicht es immer, sich woanders zu informieren. Kostenlose Selbstbedienung rechtfertigt sie nicht.
Im Endeffekt ist es wie am Kiosk auch: Ist mir eine Zeitung zu teuer, brauche ich sie nicht kaufen.
